Neudenken: Richard David Precht blickt in die Zukunft von Arbeitswelt und Künstlicher Intelligenz

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Zur digitalen Revolution der Arbeitswelt sprach Philosoph Richard David Precht am 13. Oktober 2023 beim diesjährigen „Neudenken“ der Wirtschaftsjunioren. Der Einladung zur Flaggschiff-Veranstaltung der jungen Wirtschaft ins John-Deere Forum folgten rund 400 Gäste.

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Wie verändert das maschinelle Lernen unsere Arbeitswelt? Autor Precht sorgte in seiner 45-minütuigen Keynote für zahlreiche Aha-Momente. Der Philosoph sieht Wirtschaft und Gesellschaft vor Umwälzungen, deren Tragweite, an die der ersten industriellen Revolution herankommen. Um dem andächtig lauschenden Publikum eine Vorstellung davon zu machen, wo in Zukunft die KI den Menschen ersetzen könne, fragte Precht nicht nach den Fähigkeiten der KI, sondern danach, was diese gerade nicht zu leisten im Stande sei.

Neben Moral und Phantasie sei Emotionalität demnach nur schwer ersetzbar durch KI. „Empathieberufe“ wie die Altenpflege seien daher auch in Zukunft gefragt. Doch welche Jobs laufen Gefahr ersetzt zu werden? „Geistige Routinearbeiten“ benennt es Rhetoriker Precht. Manche Metiers gingen jedoch auch als Gewinner aus dieser vierten Revolution hervor. Die Spitzen-IT, das höhere Management oder auch das Handwerk seien krisenfest.

Neudenken im John-Deere-Forum 2024

Den erfolgreichen Podcaster Precht sorgt vor allem ein häufiges Problem auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft: das „Mismatch“. Nicht jede arbeitssuchende Person könne oder wolle in den Zukunftsbranchen einen Beruf ergreifen. Unternehmen finden zwar Arbeitskräfte, doch nicht die passenden. Eine Erkenntnis des Abends: Die Gleichzeitigkeit von Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit ist kein Widerspruch.

Der Keynote von Precht folgte eine Podiumsdiskussion, die der KI-Experte und Wirtschaftsinformatiker Peter Buxmann von der Technischen Universität Darmstadt moderierte. Wie blicken die Unternehmen auf die Revolution 4.0? Für Stefan Stahlmecke, Director Intelligent Solutions Group beim Landmaschinenhersteller John Deere, gibt es zukunftsweisende Anwendungen in der Landwirtschaft. So könne KI auf dem Feld das Unkraut von der Nutzpflanze unterscheiden und mit gezielter Anwendung den Einsatz von Pestiziden reduzieren. Auch Dr. Tilman Krauch, Vorstandsmitglied beim Technologiekonzern Freudenberg, zeigte sich im gut besuchten John-Deere-Forum von den großen Potentialen maschinellen Lernens in der Arbeitswelt überzeugt. Er stelle jedoch auch ungeklärte Fragen fest. Wer hafte, wenn KI Entscheidungen getroffen habe oder wem werde in Zukunft ein Patent zugesprochen, wenn die Erfindung von einer KI stamme.

Die Veranstaltung wurde von VR Rhein-Neckar, Thews & Thews und Rittershaus unterstützt.

Neudenken ist eine traditionsreiche Veranstaltung der Wirtschaftsjunioren Mannheim-Ludwigshafen gemeinsam mit dem Landmaschinenhersteller John Deere, in der jährlich wirtschaftliche und gesellschaftliche Themen und Trends aufgegriffen und Impulse gesetzt werden.

Autor: Kai von Linden

Bilder: Flügelmann GmbH